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Niall & Cillian Vallely in Gevelsberg, 18.02.2011

In NRW geht die Konzertreihe „Klangkosmos“ auf  Tour, um Weltmusik verschiedenster Länder „niedrigschwellig“ ans interessierte Publikum zu bringen. Auch wenn man meint, irische Musik sei hierzulande hinreichend bekannt, passten Niall und Cillian Vallely aus Nordirland gut in dieses Programm: sie bieten nämlich Tradition pur abseits des Bandformats. Die Feinheiten irischer Instrumentalmusik kann man kaum besser studieren als bei dem Piper der Supergruppe Lunasa mit seinem Bruder an der Concertina. Normalerweise muss man nach Irland fahren, um solche Könner live in kleinem Rahmen zu erleben.

Das Bürgerhaus Alte Johanniskirche in Gevelsberg war mit etwa 250 Menschen gut besetzt, viele ältere Leute aus der Nachbarschaft, aber auch einige weiter angereiste Fans. Mit Tischgruppen und Kerzenlicht konnte man sich wie in einem vergrößerten Wohnzimmer fühlen, wo einen die beiden Musiker an einem häuslichen Musikabend teilhaben ließen. Die Instrumente waren kaum verstärkt, so dass der Klang ohne  technische Effekte rüberkam.

 Es ging nicht um Party, sondern um das intensive Wahrnehmen einer Musik, die in dieser archaischen Erscheinungsform den meisten Zuhörern recht fremd war. Cillian Vallely erläuterte denn auch sein Instrument in Ton und Wort: „If you can’t say Uilleann, say Irish Pipes“.

Niall Vallelys Instrument, die Concertina, ist in Deutschland leider selten zu erleben, erst recht nicht in der gezeigten Meisterschaft und in Kombination mit den Pipes. Die beiden Brüder sind in einer musikalischen Familie aufgewachsen, das Zusammenspiel dementsprechend unglaublich präzise. Rhythmus, Melodie, Harmonie wurden stets wechselnd aufgeteilt. Trotz der sehr unterschiedlichen Klangerzeugung kamen auch die Verzierungen und Variationen genau aufeinander abgestimmt. Besonders gefielen ein Low Whistle – Solo sowie ein paar schottisch klingende Tunes aus Donegal auf der Concertina. Genau zu verfolgen, was die beiden Brüder mit den ausgewählten Stücken machten, erforderte intensives, durchaus anstrengendes Zuhören. Ohne Gesang und lange Reden packten die beiden Instrumentalisten so viel Musik in eine Stunde wie manche  andere in zwei. Da die Vallelys praktisch permanent „solo“ spielten, war ein verkürztes Programm für beide Seiten durchaus fair. Mit einem rasanten Jig-Set als Zugabe verabschiedeten sich die Beiden nach einer guten Stunde, wobei durchaus noch Stimmung aufkam. Ein außergewöhnliches, nicht so einfach konsumierbares Konzert, das Lust auf den nächsten Irland – Urlaub machte.

 Fotos: Marc Dobrick

Zwei Dinge faszinieren mich an Folk-Musik besonders: die mündliche Überlieferung mit ihren verschlungenen Wegen und der Einblick in andere Lebenswelten aus der Perspektive der Betroffenen. Neben meiner Leidenschaft für live-Musik habe ich mich immer wieder mit den Hintergründen dieser „Kultur von unten“ beschäftigt. Das Ergebnis kann man auf küc's Folkseiten studieren. Ich bin mit gemeinsamem Musizieren und einer großen Portion Klassik aufgewachsen. Meine Instrumente sind Geige, akustische Gitarre und E-Bass. Gespielt habe ich in Orchestern, Folk-Gruppen und Oldie-Bands. Hier bei celtic-rock.de pflege ich seit 2008 die Abteilung "Wissen": Instrumentenkunde, interessante Bücher, The Story Behind the Song, Gruppen aus der Frühzeit des Folk-Revivals. Außerdem laufen viele meiner Favoriten in unserer Radiosparte Classics. Schaut doch mal vorbei. Und nicht vergessen: Keep Music Live!

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